Zahnärztliches Hilfsprojekt in Ladakh, Indien

Allgemein

Letztes Jahr hat Dr. Roos nach langjähriger Planung und mit viel Unterstützung eine eigene, technisch sehr gut ausgestattete Zahnklinik, die „Bright Mountain Dental Clinic“ (BMDC), in Choglamsar (ca. 10km südlich von Leh) erbaut. In der abgeschiedenen Region kann durch die Eröffnung dieser Klinik nun eine ganzjährige zahnärztliche Versorgung gewährleistet werden. Seit 2016 ist der Dalai Lama offiziell Schirmherr dieses Projekts.

Unser Einsatz im August 2018

Dr. Rainer Roos arbeitet im Rahmen der Ladakh Medical Aid gGmbH (LAMA) eng mit dem tibetischen Zahnarzt Dr. Kunsang Dechen zusammen. Bevor Dr. Dechen im Jahr 2016 die ganzjährige Betreuung der BMDC übernahm, war er viele Jahre als Zahnarzt innerhalb des „Tibetian Children’s Village“ (TCV) von Choglamsar tätig. TCVs sind gemeinnützige Einrichtungen in Ladakh, die zum Dachverband der SOS-Kinderdorf International gehören. Dort wird der im Exil lebenden tibetischen Gemeinschaft eine gute schulische Ausbildung geboten und dabei auch ein Ort geschaffen, an dem ihre Kultur bestehen bleiben kann. Weitere Informationen: https://tcv.org.in/school/tcv-ladakh/

Jeden Sommer werden von der LAMA abgelegene TCVs im Hochland durch sogenannte „Dental Camps“ unterstützt. Dabei reisen optimal mehrere Zahnärzte in schwer zugängliche Nomadengebiete an der chinesischen Grenze um dort in den Schulen zahnärztliche Hilfe anzubieten.

Wir konnten Dr. Dechen im August für einige Tage tatkräftig bei einem Dental Camp unterstützen. Bei unserem Einsatz lag der Fokus auf den Schulen in Nyuma und Sumdho.
Dabei haben wir bei den durchaus interessierten und lernfähigen Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren in Anwesenheit der Betreuer zuerst eine Prophylaxeschulung durchgeführt, bei der den Schülern die tägliche Mundhygieneroutine anschaulich gezeigt und praktisch geübt wurde. Danach wurde jeder Schüler zahnärztlich untersucht und unter einfachsten Bedingungen behandelt. Meistens war nur noch die Extraktion von Milchzahnwurzelresten angezeigt. Dieser kostenintensive Einsatz und neue Mundhygieneartikel wurden primär aus den Spendengeldern finanziert. Daneben versorgten wir die Schulen auch mit einem Vorrat an Analgetika, um akutes Leiden kurzzeitig mildern zu können, wenn kein Arzt/Zahnarzt vor Ort ist.

In den verbliebenen Wochen nach dem Dental Camp haben wir unentgeltlich Schüler und Lehrer des TCVs in Choglamsar behandelt. Auf dem Schulgelände wurde über Jahre hinweg mit internationaler Unterstützung ein „Medical Center“ aufgebaut, das auch eine kleine Zahnstation mit zwei einfachen Behandlungsstühlen enthält. Neben zahlreichen Zahnextraktionen war es uns dort möglich, Zähne konservativ im Sinne von zahnfarbenen Kompositfüllungen zu versorgen und somit langfristig zu erhalten. Kritische Fälle haben wir gesammelt und an einem Tag in der Bright Mountain Dental Clinic behandelt, da das Verlassen des Schulgeländes einer strengen Regelung unterliegt und nur mit einer Sondererlaubnis ermöglicht werden kann. In der BMDC stand uns ein modernes Röntgengerät zur Verfügung, wodurch unsere Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert wurden.
Wie bereits in den anderen zwei Schulen organisierten wir auch hier ein Prophylaxeprogramm mit anschließendem grundlegendem Check-Up aller Kindergartenkinder. Dabei nutzten wir die Chance auch einige Eltern über die Bedeutung guter Mundhygiene aufzuklären.

Bei unserer täglichen Arbeit im TCV Choglamsar wurden wir tatkräftig von der tibetischen Dentalhygienikerin Jangchup und der zahnmedizinischen Fachangestellten Tsiring unterstützt, die uns vor allem bei der Kommunikation, beim Assistieren und während der zahlreichen Stromausfälle zur Seite standen.

Aussicht

Auch in Zukunft besteht in der Region eine große Notwendigkeit an zahnärztlicher und humanitärer Hilfe. Die Instandhaltung der Behandlungseinheiten und Kliniken, Materialbeschaffungen und die Durchführung der oben beschriebenen Dental Camps sind von besonderer Bedeutung. Die Anfahrt der abgelegenen Schulen im Himalaya bedarf eines erfahrenen Fahrers und eines Jeeps, um die sehr großen Entfernungen auf nicht asphaltierten Straßen bzw. Pässen zu bewältigen. Inklusive Unterkunft und Materialaufwand ist das Dental Camp daher mit hohen Kosten verbunden. Neben der zahnärztlichen Problematik stellen die im Winter bis auf -30°C sinkenden Temperaturen ein weiteres Problem dar. Es fehlt an adäquater Kleidung für die Kinder unterschiedlichen Alters. Daher wird zum Ende des Jahres auch mithilfe Ihrer geleisteten Unterstützung und nach Absprache mit Dr. Dechen Kleidung in passenden Größen organisiert und in die TCVs gebracht.

Als persönliches Fazit können wir die außerordentliche Freundlichkeit und Offenheit der tibetischen Gemeinschaft uns gegenüber hervorheben. Die Dankbarkeit nach einer Behandlung, vor allem bei schmerzgeplagten Patienten, war jeden Tag deutlich spürbar und entschädigte uns für einige Strapazen. Wir sind sehr dankbar, dass wir durch das außergewöhnliche Engagement von Dr. Roos, durch die persönliche Hilfe von Dr. Dechen vor Ort und durch Ihre finanzielle Unterstützung die Möglichkeit bekommen haben, an einem der abgelegensten Teilen der Welt vielen Kindern zu helfen.

Weitere Informationen zu dem Projekt von Herrn Dr. Rainer Roos können Sie auf der Homepage www.klinik-ladakh.de finden.

Eure Karolina und Julia

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