Digitalisierung - Warum?

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Digitalisierung - Warum - Michael Guggenbichler im Interview

Digitalisierung steht laut Wikipedia für "die Veränderung von Prozessen, Objekten und Ereignissen, die bei zunehmender Nutzung von digitalen Geräten erfolgt". Bereits 94 Prozent der weltweiten technologischen Informationskapazität war nach Schätzungen im Jahr 2007 digital, verglichen mit gerade einmal 3 Prozent im Jahr 1993.

M. Guggenbichler: Aktuell lässt sich das Schlagwort „Digitalisierung“ mit vielen verschiedenen Bereichen in Verbindung bringen.

In modernen Zahnarztpraxen bedeutet dies in erster Linie eine Effizienzsteigerung durch eine zusammenhängende und lückenlose Dokumentation, die jederzeit und überall in der Praxis abrufbar ist. Zusätzlich sind die erhobenen Daten wesentlich einfacher und unkomplizierter zu archivieren und zu sichern.

Im Praxismanagement bringt die Digitalisierung für Arzt und Patient bemerkenswerte Unterstützung und Arbeitserleichterung. An Prophylaxetermine z.B. kann automatisch erinnert werden und genauso können Termine online gebucht werden. Der Arzt kann bestimmen, in welchem Umfang und für welche Leistungen eine Terminverwaltung und Terminbuchung online möglich sein soll.

In Großstädten und Ballungszentren haben die Patienten einen sehr hohen Qualitätsanspruch und wenig Zeit. Für diese Menschen ist ein reibungsloser Praxisablauf mit hoher Effektivität ein Argument für ihre Praxiswahl. Nicht nur in der Patientenkommunikation und Dokumentation, sondern auch hinter den Kulissen einer Praxis hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Mit Bezug auf das Hygienemanagement ist es z.B. seit Anfang 2018 im Bundesland Bayern Pflicht, alle Informationen der Sterilgutaufbereitung von Medizinprodukten und Instrumenten lückenlos zu dokumentieren. Dies lässt sich konform nur digital abbilden.

Patientenkommunikation, digitaler Abdruck, Hygienemanagement - Digitalisierung entwickelt sich immer mehr zum State of the art.

Auch in der Bildgebung sind digitale Systeme nicht mehr weg zu denken. Ob bei der Aufklärung eines Patienten mittels einer intraoralen Kamera, oder beim Röntgen um einen Befund zu erstellen. Analoge Panoramaröntgengeräte sind auf dem Markt heute gar nicht mehr neu zu beziehen.

Welche Möglichkeiten gibt es, meine Praxisabläufe mithilfe von digitalen Systemen zu optimieren?

M. Guggenbichler: Ohne eine digitale Patientenverwaltung ist heute ein Praxisablauf kaum mehr aufrecht zu erhalten – dicht gefolgt vom digitalen Röntgen und alleine schon wegen der Dokumentationspflicht, von der Sterilgutaufbereitung.

Dem Mediziner ermöglicht das digitale Röntgen neben der Behandlungsplanung eine transparente und aufklärende Kommunikation mit dem Patienten. Dies schafft Vertrauen und seitens des Patienten mehr Bereitschaft, bei der Behandlung mitzuarbeiten. Mit diesen Möglichkeiten können Patienten unter Umständen auch von höherwertigen Versorgungen und Behandlungsmöglichkeiten überzeugt werden.

Unabhängig von den Möglichkeiten der Diagnostik und Kommunikation arbeiten moderne Röntgensysteme mit wesentlich geringerer Strahlung als konventionelle Röntgengeräte. Durch die kalkulierbaren Projektionen verschaffen digitale Systeme dem behandelnden Arzt die Möglichkeit einer exakten Planungssicherheit. Sicher ein Meilenstein in der Entwicklung der Technologie, der den Markt nachhaltig verändert.

Die Anschaffung eines modernen Röntgengerätes rechnet sich. Schon nach einem Jahr hat sich die Investition in ein Panoramaröntgengerät amortisiert. Alleine wenn man kalkuliert, wie viel Zeit eine Assistentin in der Dunkelkammer verbringt oder damit beschäftigt ist, den Entwickler zu warten und zu pflegen.

Ein Hybridgerät mit 3D-Modus kostet zwar das Doppelte eines OPGs, ermöglicht allerdings auch ein wesentlich umfangreicheres diagnostisches Spektrum.

3D-Systeme halten immer mehr Einzug in die Zahnarztpraxen. Früher waren diese Geräte im Besitz von Chirurgen und Spezialisten. Heute gehört ein DVT eigentlich schon zur Grundausstattung einer modernen Zahnarztpraxis. Dem Zahnarzt eröffnen sich damit ganz neue Dimensionen in seinem Behandlungsspektrum. Mit einem DVT kann z.B. der genaue Verlauf des Wurzelkanals bestimmt werden und dies nicht nur bis zur ersten Biegung. Das Wissen, welches bisher nur Spezialisten, wie z.B. Endodontologen oder Implantologen zugänglich war, ist jetzt auch für die ganzheitliche Zahnarztpraxis abrufbar.

Ohne 3D-Röntgen und dem „matchen“ der CAD/CAM-Daten bei der integrierten Implantologie sind bis zum Setzen eines Zahnimplantats wesentlich mehr Behandlungsschritte nötig.

Beim „Matchen“ kann die Planung des Implantats zusammen mit der Krone passgenau erfolgen. Somit können ungünstige Positionen eines Implantats von vornherein vermieden werden. Und schließlich verbessert die anschauliche und verständliche Aufklärung des Patienten die Zusammenarbeit, die für den Behandlungserfolg sehr wichtig ist.

Ein weiterer Bereich ist die Funktionsdiagnostik. Hier kann bei CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) mit einem DVT und bestimmten Messinstrumenten der Biss des Patienten genau bestimmt und simuliert werden. Resultierend hieraus ist es möglich, therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Digitale Geräte bedeuten für jeden Praxisgründer zunächst hohe Anschaffungskosten. Gibt es sinnvolle Finanzierungsmodelle?

M. Guggenbichler: Eine Variante ist natürlich das Leasing und die damit verbundenen entsprechenden Sonderabschreibungen. Gerade bei dem schnellen Entwicklungsverlauf der Geräte ist das Leasing vielleicht keine schlechte Wahl, da der Anwender sich einfacher und flexibler auf neue Modelle und somit weitere diagnostische Möglichkeiten einstellen kann. Letztendlich hängt die Entscheidung aber immer vom einzelnen Fall ab und sollte mit dem Steuerberater des Vertrauens besprochen werden. Diverse Gerätehersteller bieten auch einen Existenzgründerrabatt.

Hat sich Ihr Aufgabenbereich im Zuge der Digitalisierung mit verändert?

M. Guggenbichler: Ja, ganz eindeutig. Heute gilt es, das passende, auf die Praxis abgestimmte digitale Gesamtkonzept zu finden und nicht einzelne Insellösung zu platzieren. Unsere Zukunft liegt eindeutig in der Beratungskompetenz und im Service. Unsere Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass alle digitalen Zahnrädchen in einer Praxis reibungslos und verlässlich ineinandergreifen.

Veröffentlicht in: zm online, 03/2018

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