Dentistas No Brasil - zahnärztlicher Hilfseinsatz in Recife

Allgemein

Schon während unseres Studiums war der Wunsch einmal an einem zahnärztlichen Hilfsprojekt teilzunehmen groß. Als wir also von dem zahnärztlichen Hilfsprojekt Brasilien e.V. erfuhren, zögerten wir nicht lange damit, uns direkt ins Abendteuer zu stürzen. Mit dieser Entscheidung kamen viele neue Herausforderungen, sowohl aus zahnärztlicher als auch aus organisatorischer und sozialkompetenter Sicht auf uns zu. Über diese Erfahrungen machen wir nun berichten.

Das zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V. sendet im regelmäßigen Abstand junge Zahnärzte (wie in unserem Fall direkt nach dem Staatsexamen) auf eine von vier Stationen in Recife, Brasilien um dort Kinder im Alter von 7-18 Jahren zu behandeln und somit eine möglichst durchgehende zahnärztliche Versorgung aufrecht zu halten. Bevor man jedoch seine Reise antreten kann, gibt es einiges zu erledigen: Ein eher, aufgrund der anstehenden Staatsexamensprüfung, knapp ausfallender Portugiesisch-Crashkurs lehrte uns die nötigen Floskeln für den Anfang, sodass mit Hand und Fuß auch eine Kommunikation neben „guten Tag“ und „abra a boca“ möglich wurde.
Der zweite großgeschriebene Punkt auf unserer To-do-Liste vor der Abreise war das Sammeln von Spendenmaterialien. Zu Beginn schien dies wohl die größte Hürde der Vorbereitungen zu sein, doch zu unserer Erleichterung war die Spendenbereitschaft einiger Dentalfirmen, sowie Dentaldepots überaus großzügig, und so konnten wir mit zwei großen Koffern voll Materialien unsere Reise antreten.

Mit jedem Schritt näher wurde die Aufregung größer. Umso mehr freuten wir uns auch über den überaus freundlichen Empfang auf unserer Station Magalhaes Bastos. Dies ist ein von sechs Nonnen geführtes Kloster im Nordwesten der Stadt, das zahlreichen Kindern der Umgebung eine Schulbildung ermöglicht und Mahlzeiten, sowie eine psychologische Betreuung für die Kinder zur Verfügung stellt. Nachdem wir das Gelände betreten hatten, dauerte es nicht lange, bis die Kinder uns aufgeregt umarmten, uns von dem Pausenhof zuwinkten und ein Willkommenslied sangen.
Der tägliche Arbeitsablauf war sehr geregelt: nach einem Morgengebet auf dem Pausenhof begannen wir die Einzelbehandlung der Kinder, deren Gebisszustand häufig leider sehr schlecht war. Neben unzählig kariösen Zähnen gab es aber immer auch Ausnahmen, bei denen es überhaupt nichts zu tun gab. Wir hatten also alle Hände voll zu tun, und unser Behandlungsspektrum reichte von einfachen Prophylaxeprogrammen bis hin zu Wurzelrestentfernungen, normalen Extraktionen und Füllungen. Aber nicht nur der Zustand der Kinder stellte uns oft vor Herausforderungen: Defekte Behandlungseinheiten, nicht immer ganz passend geeignete Instrumente sowie fast tägliche Stromausfälle brachten uns immer wieder in die Situation, improvisieren zu müssen. Auch der Umgang mit teilweise stark traumatisierten Kindern brachte uns das ein oder andere Mal an unsere Grenzen. Umso mehr freute uns aber die wirklich dankbare Umarmung am Ende der Behandlung, weil wir es geschafft hatten den Kindern die Schmerzen zu nehmen. Auch sonst hatten wir das Gefühl, dass unsere Hilfe allseits gerne und positiv aufgenommen wurde. So gewannen wir viele Erfahrungen im Umgang mit Kindern, Schmerz- und Angstpatienten sowie Improvisationsvermögen, neue Sprachkenntnisse, neue Freunde und jede Menge Liebe und Dankbarkeit. Der Abschied war bittersüß und der prägende Eindruck wird unsere zukünftige Lebensbahn sicher beeinflussen.

Wir bedanken uns bei allen, die dabei maßgeblich beteiligt waren und vor allem bei all den Firmen sowie Depots für die großzügige Spendenbereitschaft.

Eure Theresa und Anna

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