Alles Neuro oder was?

Allgemein

©click_and_photo / Fotolia

Die aktuelle Hirnforschung hält immer öfter Einzug in Wirtschaftsunternehmen. Denn von den Ergebnissen können Change-Management oder auch kreative Problemlösungen profitieren. Auch ich versuche die Dentaqum-Seminar- und Trainingsinhalte „hirngerecht“ anzubieten und in allen Modulen die Verbindungen vom vegetativen Nervensystem zum Kopf zu aktivieren.

Wir trainieren also das Gehirn wie einen Muskel. Geht das denn? Ja, auch wenn das Gehirn optisch nicht viel mit einem Muskel gemein hat, wird es durch Training ebenso leistungsfähiger: wenn wir es anstrengen, entstehen neue Verbindungen der kleinen grauen Zellen untereinander. Besonders gut lernen wir, wenn Gedanken mit Bildern verbunden werden. Arbeitsanweisungen sind einprägsamer mit Fotos oder Grafiken. So funktioniert auch gute Sprachlernsoftware. In manchen Coachings erstellen wir zum Beispiel eine große Mindmap mit kleinen Bildchen zu den verschiedenen Themen.

Noch viel größer wird die Gehirnleistung, wenn wir Gedanken und Bilder (Farben) mit etwas Haptischen verbinden. Diese Art des Lernens ist die effizienteste bei jedem Menschen. Ab dem Kleinkindalter erobert sich jeder die Welt durch Verknüpfung des Gehirns mit dem Tun der Hände. An dieser Stelle möchte ich von einer Veranstaltung berichten, an der ich im Herbst teilnehmen durfte und die mich in Erstaunen versetzt hat:

Lego® Serious Play®

Dabei handelt es sich um eine Methode, die immer mehr Führungsetagen erobert. Mit den beliebten Legosteinen hat sie allerdings wenig zu tun. Es geht darum, Nichthaptisches (wie Probleme, Zukunft, Motive, Eigenschaften, Kundensegmente, Identitäten, Beziehungen, Ängste, Sorgen, Schwierigkeiten) – also einen kleinen Teil der Innenwelt nachzubauen. Klingt ganz schön schwierig, dachte ich mir. Zu Beginn des Workshops bauten wir nach einem ausführlichen Intro erst einmal Gegenständliches nach den Vorgaben des Trainers, sozusagen als Aufwärmphase. Danach ging es ans freie Bauen, wir erstellten nacheinander Modelle zu eigenen Problemstellungen. Dabei gibt es immer zwei limitierende Faktoren: 1. Es sind nur wenige Sorten Steine vorhanden und die Anzahl der Steine ist begrenzt. 2. Die Zeit. Unter Zeitdruck nimmt man intuitiv den vermeintlich passenden Stein. Der wichtigste und zeitlich längste Teil ist die Auswertung. Ein Befrager stellt Fragen zu dem Modell, er fragt zirkulär nach, um den Erbauer tiefer in die Problematik eintauchen zu lassen. Er hinterfragt das Modell, jedoch nicht die Person. Der Erbauer erklärt und holt so das intuitiv erstellte Modell der Problematik ins Bewusstsein an die Oberfläche, er macht sie besprechbar.

Der Stein findet mich

Erstaunlich, was in der kurzen Zeit alles zustande kommt. Meine Erklärungen werfen wieder neue Fragen auf und so entspinnt sich ein Dialog um mein Anliegen herum. Obwohl wir nur über das Bauwerk sprechen, spüre ich, wie sich Gedanken zu Lösungen und Ideen formen. Lego® Serious Play® ist eine Open Knowledge Plattform, das heißt jeder darf sie für sich nutzen, üben und anwenden. Für alle, die jetzt Lust haben, das auszuprobieren: es gibt in vielen größeren Städten monatliche öffentliche Meetups, in München mit Anmeldung unter www.play-your-future.com mit Torsten Wunderlich. Ich mache definitiv weiter, vielleicht treffen wir uns ja bald mal dort!

Herzlichst, Ihre Astrid Feuchter
Systemischer Business Coach
Dentaqum GmbH

(Quellen: Franz Hütter, Sandra Mareike Lang: „Neurodidaktik für Trainer“, Manager Seminare 2017, Lego® Serious Play®)

« Zur Beitragsübersicht